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Die Bela-Réthy-Faktenmaschine #5

Heute: Schweden

Wird trainiert von einem Menschen, dessen Nachname auch eine hippe Vasa-Variation schmücken könnte. Lars Lagerbäck führt das Dreikronenteam seit einer Dekade von einer erfolglosen Endrunde zur nächsten und ist aktuell in etwa so unumstritten wie der maßlose Demokratiewillen Chinas. Der Gründe gibt es drei: Running Vorwurf ist der begrenzte eigene fußballerische Erfolg Lagerbäcks, der es bis in die dritte schwedische Liga (vergleichbar mit der Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommerns) schaffte, die schwedische Nationalmannschaft erzielte in den jüngsten vier Testspielen insgesamt zusammen kumuliert ein ganzes eigenes Tor; und Lagerbäcks Fingerspitzengefühl im Umgang mit seinen sensiblen Spielerseelen driftet zunehmend ins hornhautige.

Beispiel: Der Mann mit dem schwedischsten aller Namen überhaupt, Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic, zankte sich noch 2006 mit dem Cheffe, 2007 hatten sie sich wieder lieb. Auch der Rest der blaugelben Sturmreihe ist bekannt: Markus Rosenberg (Werder), Markus Allbäck (Ex-Hansa) und Henrik Larsson (Calvin Klein). Und wenn die Schweden vieles nicht haben, Palmen, Giraffen, billigen Alkohol lustige Krimiserien, temperamentvolle Ureinwohner oder 33 Grad Celsius im Frühling – eines kann man den old men nicht absprechen: Erfahrung.

Vor zwei Jahren waren elf indisponiert aufspielende Schweden hauptsächlich dafür verantwortlich, dass sich halbes deutsche Land nach dem WM-Achtelfinale ins Koma soff. Vor 16 Jahren lotste der schwedische Fußballverband gleich die komplette Endrunde nach Skandinavien, was den nicht zu unterschätztenden Vorteil hatte, dass die eigene Mannschaft automatisch mit dabei war. Vor einigen Jahrzehnten war Schweden auch mal richtig erfolgreich im Fußball, die Anzahl der Menschen, die sich daran noch erinnern können, rutscht leider in der kommenden Woche in die Zweistelligkeit.

Das bemerkenswerteste Qualifikationsspiel war jenes gegen den kleinen Bruder Dänemark. Das nasse Dynamit lag schon mit 0:3 hinten, holte aber bravourös auf und war eine Spielminute davon entfernt, ein legendäres 3:3 feiern zu können. Christian Poulsen machte schon auf dem Platz ein wenig Party, seine Tätlichkeit in der 89. Minute replizierte Schiri Fandel mit Rot und Elfmeter. Dann kam ein Fan und schubste den Fandel, und schwupps – Spielabbruch, ein Grüntischsieg für Schweden, und schwurbelte nicht eine Menge Wasser zwischen beiden Ländern, hätten sie eine Mauer an der Grenze errichtet. Natürlich nur 80 Zentimeter hoch, man ist schließlich im liberalen Skandinavien.

Vorbereitungstestspiele #3

Schweden – Slowenien 1:0 (1:0) in Göteborg

Zwei Wochen vor der Fußball-Europameisterschaft setzten sich die Skandinavier in einem Testspiel mit einer B-Elf mit 1:0 (1:0)gegen Slovenien durch. […] Schweden hatte in der Startformation auf seine Stars Zlatan Ibrahimovic und Fredrik Ljungberg verzichtet. Markus Rosenberg von Bundesligist Werder Bremen saß 90 Minuten auf der Bank.

Türkei – Uruguay 2:3 (1:1) in Bochum

Vor 13.800 Zuschauern in Bochum erzielten Arda Turan (13.) und Nihat Kahveci (51.) die Tore der Türken, Luis Suarez (31./Elfer, 78.) und Cristian Rodriguez (85./Elfer) trafen für die Südamerikaner. […] Deutschland-Legionär Hamit Altintop gab nach zweimonatiger Verletzungspause sein Comeback im türkischen Team. Der Bayern-München-Profi stand erstmals nach seinem Mittelfußbruch wieder in der Startelf und darf sich somit 13 Tage vor dem ersten EM-Spiel gegen Portugal Hoffnung auf seine Teilnahme machen.

Tschechien – WAC St. Andrä 5:1 (3:1) in Bad Kleinkirchheim

Die Tore des EM-Teilnehmers erzielten Stanislav Vlcek (13.), Jan Koller (21.), Milan Baros (44.), Martin Fenin (63.) und Vaclav Sverkos (90.). Vor allem vor der Pause, in der Teamchef Karel Brückner neun Spieler seiner Startformation austauschte, hatten die Tschechen zahlreiche weitere Chancen ungenützt gelassen.

Niederlande – Ukraine 3:0 (2:0) in Rotterdam

Beim 3:0-Sieg der Mannschaft von Bondscoach Marco van Basten in Rotterdam durch Tore von Dirk Kuyt (24.), Klaas Jan Huntelaar (37.) und Ryan Babel (64.) glänzte van der Vaart als zweifacher Vorbereiter. Vor der Halbzeitpause legte er für Ajax-Torjäger Huntelaar auf, dem dritten Treffer der Niederländer ging ein 50-Meter-Pass des HSV-Profis voraus. „Wir haben gut begonnen, mit vielen schönen Angriffszügen. Ich finde, das war ein guter Test“, zeigte sich van der Vaart hinterher zufrieden. Allerdings gab er zu, dass die Ukrainer, die sich nicht für die EM qualifiziert hatten, nicht ganz bei der Sache gewesen waren. „Die waren mit dem Kopf anscheinend schon ein bisschen im Urlaub.“

Henke kann sich nicht entscheiden

Henrik Larsson93 Länderspiele, 36 Tore. Und es werden nun doch noch mindestens drei hinzukommen.

Nachdem Henrik „Henke“ Larsson nach dem Achtelfinalaus gegen Deutschland bei der WM 2006 seinen Rücktritt aus der schwedischen Nationalmannschaft erklärt hatte, steht er nun wie aus heiterem Himmel im Aufgebot der „Blågult“. Lars Lagerbäck hat offenbar die richtigen Worte gefunden, den 36-Jährigen noch einmal zu motivieren. Bereits nach der WM 2002 hatte Larsson seine internationale Karriere für beendet erklärt, wurde aber durch schwedische Medien und seine Familie vor der EM 2004 nocheinmal umgestimmt.

[via, foto: flickr]

Wie stehn die Quoten?

+++ aus den Quoten von vier Wettanbietern generiert +++

Deutschl. 4,69
Italien 6,75
Spanien 7,00
Frankreich 8,25
Portugal 9,13
Niederl. 11,75
Kroatien 12,00
Tschechien 14,25
Schweiz 19,25
Griechenl. 25,25
Schweden 28,00
Russland 31,25
Türkei 34,75
Polen 37,25
Rumänien 39,75
Österreich 84,00

(bei dieser unterirdischen rot-weiß-roten Quote verwundert so eine hübsche Einladung dann auch nicht mehr)

Testspiele vom 6. Februar

Gestern haben sich in Europa nicht nur Österreich und Deutschland dilettiert duelliert, sondern es gab weitaus interessantere Partien, die im deutschsprachigen Raum leider etwas untergegangen sind.

Kroatien – Niederlande 0:3 (0:2)

Kroatien: Pletikosa – Simunic, Simic (47. Pranjic), R. Kovac (69. Knezevic), Corluka – N. Kovac (70. Leko) – Krancjar (46. Olic), Modric, Srna (86. Babic) – Petric, Eduardo (71. Rakitic)
Niederlande: van der Sar – van Bronckhorst, Melchiot (71. de Jong), Mathijsen, Heitinga – de Zeeuw, Sneijder, de Cler, Babel (55. Afellay), Huntelaar (75. Emanuelson), van der Vaart (84. Vennegoor of Hesselink)
Tore: 0:1 Heitinga 9., 0:2 Huntelaar 36., 0:3 Vennegoor of Hesselink 88.
Besondere Vorkommnisse: keine
Das Spiel war vorbei, als: Huntelaar nach einer kläglichen Abwehrleistung leicht und locker zum 0:2 einschieben konnte.

Kroatien, in der Vorrunde Gegner der Deutschen Mannschaft, verlor gestern abend auch in der Höhe verdient gegen die Niederlande. Besonders die Abwehr – speziell die in der Bundesliga tätigen Josip Simunic (Hertha BSC) und Robert Kovac (Borussia Dortmund) – scheint durch fehlende Schnelligkeit und mangelnde Abstimmung internationalen Ansprüchen nicht mehr zu genügen. Aus Zweikämpfen gegen die jungen und beweglichen Holländer Huntelaar, van der Vaart und Sneijder gingen sie regelmäßig als Verlierer heraus. Alle drei Tore resultierten aus flachen Hereingaben von außen, die die Stürmer problemlos im Tor unterbringen konnten. Schaffen es die Kroaten bis zur EURO nicht, ihre Defensivschwäche abzustellen, werden sie es in der Gruppe B schwer haben, den zweiten Platz zu erreichen.
Über die Stärke der Niederländer lässt sich nach dem Spiel nicht viel sagen, denn sie wurden defensiv kaum gefordert. Mladen Petric (Borussia Dortmund), Eduardo (Arsenal London) und später Iviva Olic (Hamburger SV) blieben das gesamte Spiel über blass. Drei Tore in einem Spiel schießen Holländer auch selten, so dass man noch die kommenden Testspiele abwarten muss, um eine Einschätzung abgeben zu können, ob die Niederländer in der Gruppe mit Italien, Frankreich und Rumänien eine realistische Chance auf ein Weiterkommen haben.

Tschechien – Polen 0:2 (0:2) – Viernationenturnier auf Zypern

Tschechien: Cech – Pospech, Rozenhal, Grygera, Ujfalusi (46. Kadlec) – Polak – Plasil (84. Kulic), Matejovsky, Sionko (76. Vicek)
Polen: Boruc (48. Fabianski)- Wasilewski, Bronowicki (77. Wawryzniyak), Bak (46. Jop), Dudka – Smolarek (67. Zahorski), Lewandowski, Krzynowek – Lobodzinski (83. Majewski) – Zewlakow, Wichniarek (47. Zurawski)
Tore: 0:1 Lobodzinski 6., 0:2 Lewandowski 29.
Besonderes Vorkommnis: Boruc hält Elfmeter von Jan Koller
Das Spiel war vorbei, als: Jan Koller in der 33. Minute den Elfmeter vergab und das Anschlusstor verpasste

Türkei – Schweden 0:0

Türkei: Volkan – Hakan, Zan, Cetin, Gökhan Günül – Hamit Altintop, Aurelio, Bastürk, Emre, Halil Altintop – Kahveci
Schweden: Isaksson – Nilsson (83. Concha), Hansson, Majstorovic, Stoor (62. Safari) – Bakircioglu (73. Holmén), Källström, Svensson, Larsson – Rosenberg (46. Elmander), Berg
Tore: keine
Besonderes Vorkommnis: keins
Das Spiel war vorbei, als: der Schiedsrichter ein schwaches Testspiel abpfiff

Italien – Portugal 3:1 (1:0) – in Zürich

Italien: Amelia – Zambrotta (29. Grosso), Barzagli (53. Perrotta), Cannavaro, Oddo – Di Natale, Pirlo, De Rossi (53. Gamberini), Ambrosini, Palladino (77. Quagliarella) – Toni (71. Borriello)
Portugal: Ricardo – Caneira (46. Ferreira), Alves, Carvalho, Bosingwa – Quaresma, Maniche (62. Meireles), Deco (46. Nani), Petit (46. Meira), Ronaldo – Makukula (56. Almeida)
Tore: 1:0 Toni 45., 2:0 Pirlo 50., 2:1 Quaresma 77., 3:1 Quagliarella 79.
Besonderes Vorkommnis: Cristiano Ronaldo kann an seine Monsterform in der englischen Liga nicht anknüpfen
Das Spiel war vorbei, als: der nur eine Minute zuvor eingewechselte Quagliarella kurz nach dem Anschlusstreffer für Portugal mit dem 3:1 alle gegnerischen Hoffnungen begrub

Spanien – Frankreich 1:0 (0:0)

Spanien: Casillas – Capdevila, Marchena (46. López Ruano, 76. Juanito), Albiol, Ramos (46. Ibáñez) – Riera (46. Villa), Xavi, Iniesta, Fabregas – Torres (24. Güiza)
Frankreich: Coupet – Abidal, Gallas, Thuram (46. Escudé), Sagnol – Malouda, Diarra, Vieira (82. Ben Arfa), Toulalan – Henry, Anelka (60. Benzema)
Tore: 1:0 Capdevila 80.
Besonderes Vorkommnis: Spanien spielte in Gelb, Frankreich in Rot
Das Spiel war vorbei, als: die Franzosen sich dafür entschieden, die roten Trikots anzuziehen. Das konnte nicht gut gehen.

England – Schweiz 2:1 (1:0)

England: James – A. Cole (73. Bridge), Upson, Ferdinand, Brown – Barry (73. Hargreaves), Jenas (56. Wright-Phillips), Cole (56. Crouch), Gerrard, Bentley – Rooney (87. Young)
Schweiz: Benaglio – Spycher, Eggimann, Senderos (55. Grichting), Lichtsteiner (46. Behrami) – Gygax (46. Vonlanthen), Gelson (83. Huggel), Yakin, Inler, Barnetta – N‘Kufo (46. Derdiyok)
Tore: 1:0 Jenas 40., 1:1 Derdiyok 56., 2:1 Wright-Phillips 61.
Besonderes Vorkommnis: Die Englischen Fans sind trotz der verpassten Qualifikation reichlich ins Stadion gekommen, um ihre drei Löwen zu unterstützen.
Das Spiel war vorbei, als: der kurz zuvor eingewechselte Shawn Wright Phillips nur fünf Minuten nach dem Ausgleich das 2:1 erzielen konnte

Das erste Spiel der Engländer nach der verpassten Qualifikation zur EM verlief holprig, aber letztendlich erfolgreich. Der neue Trainer Fabio Capello musste auf ein paar verletzte Spieler und verzichteten und lud David Beckham nicht ein. Viel Einfluss hat er in der kurzen Zeit noch nicht gehabt, denn die Engländer spielten über lange Zeit des Spiels recht kopflos. Steven Gerrard versuchte das Spiel in der Zentrale zu lenken, aber er ist kein richtiger Spielmacher und konnte nicht überzeugen.
Die Schweizer sind trotz der Niederlage auf einem richtigen Weg, denn sie haben sich im Gegensatz zur Deutschen Nationalmannschaft kein Fallobst als Testspielgegner bis zum Turnier ausgesucht, sondern messen sich mit den Favoriten. Gegen England wäre mehr drin gewesen, hätten die Schweizer in der Offensive mehr Druck auf die traditionell nicht immer sichere Abwehr (plus Torwart) des Gastgebers ausüben können. Die neue Nummer 1 Diego Benaglio, in unserem beschaulichen Blog vor kurzem noch mit Hohn und Spott überhäuft, hinterließ einen richtigen starken Eindruck. Wenn Philipp Senderos von Arsenal London nach seiner langen Verletzungspause bis zum Turnier wieder in Topform ist, dann wird es schwer sein, gegen die Schweiz Tore zu erzielen.

Griechenland – Finnland 2:1 (0:0)

Tore: 0:1 Litmanen 66., 1:1 Charisteas 67., 2:1 Katsouranis 72.
Das Spiel war vorbei, als: Griechenland innerhalb von fünf Minuten aus einem 0:1 ein 2:1 machte.

Israel – Rumänien 1:0 (0:0)

Tore: 1:0 Golan 25.
Das Spiel war vorbei, als: Israel kurz nach der roten Karte für den Rumänen Ovidiu Petre das 1:0 erzielten