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Gehirnzorro

Dabei beruht der Songtitel auf einem Missverständnis: Als Kind hatte White den Begriff Salvation Army (Heilsarmee) immer als Seven Nation Army verstanden. An diesen Gehirnzorro erinnerte er sich irgendwann beim Texten – und die Idee für das Stück war geboren.

Was, beim heiligen Detlef Guertler, was, lieber sid-Autor Marco Mader, was zum Geier ist ein Gehirnzorro? Ein Liedtext, den man als Kind falsch versteht? Ja? Die einzige relevante Google-Fundstelle zu diesem Thema entstammt dem englischsprachigen Onlinemagaziin Japan Today, und zwar aus diesem Satz:

It is a terrible crime but may not be sex related, you have sex on the brain zorro, more info is needed.

Nicht sonderlich erhellend. Und passend zum Thema gebe ich diese Frage gleich mal weiter: Hat Johannes Behpunkt Kerner die Wortschöpfung Wienale erfunden?

Auf den Punkt

Ja, die Deutschen sind ohne Zweifel das Chamäleon dieser EM. Kein anderes Team passt sich dem im Vorfeld vermuteten Niveau des Gegners so perfekt an.

[Quelle]

Hiddinkow

Aus Freude über den Erfolg der russischen Nationalmannschaft bei der EURO 2008 ist in Sibirien ein Kind nach dem niederländischen Trainer der Sbornaja, Guus Hiddink, benannt worden. In der Stadt Bolotnoje (Raum Nowosibirsk) habe ein neugeborener Junge den Namen Guus Jewgenjewitsch Gorodnikow erhalten […].

Der arme kleine Junge. Für sein Leben gestraft, weil seine Eltern nicht bei Trost, völlig von Sinnen und vodkarisiert waren. Hänseleien im Kindergarten sind vorprogrammiert, die Massenkeile in der Schule steht jetzt schon fest und ob er jemals einen vernünftigen Beruf erlernen kann, steht auch in den Sternen.

Jewgenjewitsch. Wie kann man nur?

[Quelle]

… und die Schlechten in die ewige Verdammnis

fairplay

Unglaublich dass ihr sowas behauptet…

Das ist doch der neid der Deutschen. die sollten sich mal schämen so etwas über die Türken zu schreiben. Warum gönnt ihr uns mal etwas nicht. Wenn irgendetwas passiert stehen doch auch die Türken zu den deutschen oder nicht? Ich hoffe das das ein faires und tollers Spiel am Mittwoch wird. Und sie sehr geehrter Herr Breuckmann, das sie so etwas schreiben können das die türken in der halbfinale nichts zu tuhen hätten. am liebsten würde ich sie bei der ARD beschweren wegen diskriminierung und fast ausländischer äuserung. Pfui!!!

Manni Breuckmann, wer ist das??? Muss man den kennen – denke nicht! Und noch was: Ich bitte die ARD-Kommentatoren um ein bisschen Respekt vor den Türkischen Mitbürgern. Aussagen wie TÜRKEN SIND RAUSSSS finde ich unverschämt. Vor allem, dass wir die IDIOTEN auch noch mit unseren GEZ Gebühren füttern. Schämt EUCH.

Mir geht dieses „Beleidigtsein“ der türkischen Mitbürger auch auf den Geist, aber das Sie hier gleich die Büchse der Pandorra hier öffnen und dermaßen unfreundlich formulieren finde ich einfach ungeschickt.

Vier von 80 Kommentaren nur. Moderierten Kommentaren übrigens. Doch was war passiert?

Die ARD hat zur EM ein Blog, und Manfred „Manni“ Breuckmann schrob darin über seine Erwartungen an die deutsche Mannschaft: „Eine bestenfalls mittelklassige Mannschaft, die zudem personell auf dem Zahnfleisch geht, muss vom Euro-Mitfavoriten Deutschland in die Schranken gewiesen werden.“ Er nannte die türkische Auswahl „irgendwelche Glücksritter, die uns achtundachtzig Minuten langweilen und dann irgendwie draufhalten“, bescheinigte ihr eine „limierte Art des Fußballspielens“ und ein „skurriles, letztlich anti-fußballerisches Erfolgsrezept“. Der Gipfel von Breuckmanns Kommentar:

Falls es ein höheres Wesen gibt, das die Guten im Fußball segnet und die Schlechten in die ewige Verdammnis schickt: Diese Türken müssen das Halbfinale verlieren, schlicht deswegen, weil Fußballspiele länger als zwei Minuten zu dauern haben.

Hmm, kann man so sehen, muss man aber nicht. Mein Bekanntenkreis, mich eingeschlossen, ist in den vergangenen Tagen eher zu einem EM-Türkei-Fan mutiert, so Aufholjagden im Regen machen halt sympathisch, wer gewinnt hat Recht, und überhaupt. Die fußballtaktische Erlösung habe ich im Zeichen des Halbmondes auch noch nicht entdecken können, und es hat bestimmt auch Gründe gehabt, warum die Türkei noch nie selbst in Führung gegangen ist, ein absichtliches In-Rückstand-geraten traue ich nicht mal Fatih Terim zu.

ard_vtWas mich allerdings wundert: Wenn ein erfahrener Fußballkommentator wie Manfred Breuckmann vor einem EM(!)-Halbfinale(!!) gegen die Türkei (!!!) in einem Blog (!!!!) der vermutlich vielgelesenen (!!!!!) ARD ein derart happiges Stückchen verfasst, dann muss er sich nicht auf 43 Zeilen über die Reaktionen wundern. Tut er es doch, muss er mit drei Vermutungen leben: Unerfahrenheit („Hätt ich aber jetzt nicht gedacht“), Provokation („Makuckn, was passiert“), Gleichgültigkeit („Wir sind schließlich die ARD“). Die Quintessenz seines Nachtrags:

Keine Angst, ich fange nicht gleich an zu heulen, aber etwas weniger Dünnhäutigkeit bei einigen türkischen oder türkisch-stämmigen Kritikern wäre wünschenswert.

Dünnhäutigkeit. Wünschenswert. Internet. Oh je. Natürlich hat Breuckmann Recht. Aber wenn ich so einen Text veröffentliche, lebe ich mit den Reaktionen, schmeiße die allzu heftigen auf den Müll und freue mich über den Traffic. Wenn ich das nicht will, schreibe ich den Text anders oder gar nicht. Sich mehr Dickhäuter unter den Fußballnationalkommentatoren zu wünschen kommt in ungefähr dem Versuch gleich, die netzbasierte Musikpiraterie mit einem „Wort zum Sonntag“ unterbinden zu wollen.

Der ebenfalls nicht ganz unbekannte Marcel Reif hat ähnliche Gedanken im Tagesspiegel ein wenig eleganter formuliert. Im Vergleich zu Breuckmanns Worten schwingt hier stärker der Respekt vor dem unermüdlichen türkischen Kampfgeist mit, die Kommentare (weniger, weil Registrierungspflicht) halten sich dann auch die Waage.

Man kann das von den Türken nicht wirklich behaupten, das mit dem Können. Was man aber behaupten kann, die gehen einem auf die Nerven, weil sie einfach nicht begreifen wollen, wenn sie tot sind. Die waren einmal tot gegen die Schweiz, die waren mausetot gegen die Tschechen und gegen die Kroaten waren sie schon zwei Meter unter der Erde. Trainer sagen in solchen Situationen gerne, dass man nur daran glauben müsse, dann ginge schon noch etwas, die Türken aber glauben gar nichts, die wissen, das was geht. Und nun erobern sie Europa, obwohl sie dort gar nicht zugelassen sind. Dabei sind sie fußballerisch nicht wirklich gut, es fehlt ihnen die halbe Mannschaft – und was kann man gegen sie machen?

Man kann sie nur besiegen, einfach nur besiegen, nicht mit einem Tor in den letzten zehn Sekunden des Spiels, sondern besser mit zweien, noch besser mit dreien. Erst wenn das letzte Gegentor gefallen ist, erst wenn der Schiedsrichter wirklich abgepfiffen hat, erst wenn sie wirklich im Kabinengang verschwunden sind, werden sie akzeptieren, verloren zu haben.

Kontrollverlust

Die Fußball-EM-Netzwerkanalyse des österreichischen Standard hat mir in den vergangenen Tagen manch schöne Leseminute beschert. Jetzt aber, glaube ich, jetzt sind sie etwas zu weit gegangen:

Insgesamt beobachten wir – als paradoxe Gegenbewegung zur Verwissenschaftlichung des Sports – einen ebenso erstaunlichen wie verwirrenden Kontrollverlust. Das Spiel wird nicht mehr linear-zentral verwaltet bzw. dirigiert, sondern multipliziert und fragmentiert sich in eine Folge lose gekoppelter Singularitäten.