Mit insgesamt 42 Fouls, also 14 pro Spiel, ist die deutsche Mannschaft die bislang in dieser Statistik fairste des Turniers. Ähnlich foulfaul agierten in ihren ersten zwei Gruppenspielen nur die Griechen, sie kamen auf 29 Fouls, also 14einhalb pro Spiel.
Nun liegt mir ein Aufruf zur Sportgewalt fern, ebenfalls bin ich in puncto möglichst immer spielerische Lösungen finden ganz bei Joachim Löw und seiner Nationalfußballphilosophie – doch vor dem Hintergrund der schlaffen Auftritte der DFB-Elf gegen Kroatien und Österreich und mit der Foulstatistik vor Augen möchte ich fußballethisch total unkorrekt nur rufen: Immer ruff uffe Knochen!
Das 0:1 gegen Kroatien fiel auch deshalb, weil einige Zweikämpfe vor der Pranjic-Flanke auf Srna sich niemand traute, den Angreifer anzugreifen, ihn zu stoppen undoder vom Ball zu trennen. Stattdessen blieb man immer schön zwischen Tor und Gegner, diesem dabei nur nicht zu nahe kommend, man könnte ja ausgespielt werden.
Über weite Strecken dieser beiden Spiele sahen Jogis Löwen vorsichtig durch den Türspion, öffneten anschließend mit einladender Geste die Tür und baten den Gast mit höflichem Diskretionsabstand ins Match hinein. Gerade gegen Österreich, als die erste Viertelstunde mit einem kleinen deutschen Punktsieg endete, hätte daraufhin ein unfreundliches Ich kaufe nichts!, verbunden mit einer laut zuknallenden Gartenpforte und anschließendem Terriergekläffe (Frings!) nötig getan.
Stattdessen: Nichts. Die Alemannen-Agressivität kulmuliert bei dieser EM bislang in einem Frustschubser und einer Trainerdiskussion, beide Akteure trafen sich schließlich weichgespült auf der Polittribüne wieder. Und wenn man einen wuchtigen Freistoß als aggressiv bezeichnen möchte, bitte schön auch das. Dass aber mal vier, fünf, sechs, sieben Spieler in weiß-schwarz eine Halbzeit lang ihre existentielle Aufgabe darin sahen, den Ball zu erobern und dass dabei im Zweifel beim Tackling die berühmte Zehntel fehlte oder im Zweikampf die Ellenbogen das böse Stückchen zu weit draußen schlenkerten – das konnte bisher nur bei nachgezockten Partien auf der Daddel-Station beobachtet werden.
Man kann aggressiv spielen, ohne Gegenspieler zu verletzen oder geschäftsschädigend viele Gelbe Karte zu kassieren. Man kann sagen: Okay, Italien-Frankreich, wie die gerannt sind erste Halbzeit, aber komm schon, unsere Jungs hätten so ein Chaos doch niemals zugelassen. Man kann der Meinung sein, ein Foul ist immer die schlechtere Lösung, man müsse den Gegner ausspielen, und seien es auch offensivharmlose Österreicher.
Man kann aber auch gegen Portugal im Viertelfinale ausscheiden. Mal wieder.





