Drei zu zwei

IMG_0726

Nicht mal das mit der Stromversorgung haben sie hinbekommen, die Österreicher. Nun: Finale. Béla Réthy ist als Radioreporter durchschnittlich geeignet, Philipp Lahm hat sich über seinen Siegtreffer gefreut wie mein Sohn über einen weiteren Gummiball im Kinderzimmer, und wir grüßen alle Millionen, die sich beim Public Hearing begeistern konnten.

Es fehlte nur wenig in diesem Halbfinale, ein überlanges Elfmeterschießen vielleicht. Wir hatten eine schwache DFB-Elf, Blut auf Rolfes‘ Stirn, Schweiß auf Terims Brust, zurückkommende Türken, blödsinnige Reporterfragen („Wie sehr wollen Sie jetzt das Finale gewinnen?“), wir hatten das obligatorische Poldiaufschweinitor, den klassischen Lehmannbock, den komischen Klosekopfball und dann den Philipp. Die Bundeskanzlerin kann immer noch nicht motorisch glatt klatschen, Jürgen Klopp wurde leider verabschiedet, Ingolf Lück ist leider geblieben.

Wir hatten einen mehr, einen weniger unberechtigt verweigerten Elfmeter hüben und drüben, fünf Tore in 90 Minuten in einem Halbfinale (wann gab es sowas mal zuletzt?), wir hatten Bildausfall, mir ist der Wein auf den Teppich geplumpst, der Spielmacher simst nur Comic-Buchstabenkombinationen ob seiner Bildausfallverärgerung; und am Ende kann jeder erhobenen Hauptes aus diesem Spiel gehen.

Nur dass kurtspaeter aufhört, ist schade.


11 Antworten auf “Drei zu zwei”


  1. 1 Kittyluka 26. Juni 2008 um 8:32 Uhr

    Du hast den Flitzer vergessen ;)

  2. 2 Olaf 26. Juni 2008 um 10:02 Uhr

    Jaja die Angie, synchron sieht anders aus^^
    „Ich bin immer mitgegangen. Manchmal war ich traurig, wenn wir einen Ball verloren haben, aber Ende gut, alles gut“ ist noch eine weitere Aussage der guten Kanzlerin.
    Lehmann war für mich trotzdem einer der besten auf dem Platz. Das 1:0 sieht leider sehr unglücklich aus und trotzdem ist er noch dran, da hätte weitaus mehr schief gehen können.

  3. 3 Alexander Zonfeld 26. Juni 2008 um 10:51 Uhr

    Also Leute, alle Meckern über die deutschen Spieler und das Spiel gegen die Türken. Klar, die Türken haben toll und stark gespielt. Respekt!
    Aber so schlecht war die deutsche Mannschaft doch nicht. Ich fand die Tore, die sie geschossen haben, viel beeindruckender. Sie sind durch eine großartige Leistung entstanden, während die Tore der Türken mehr zufällig ins Tor gepurzelt sind.
    Außerdem hatten die Türken viel mehr Torchancen, die sie aber nicht umsetzen konnten, während die Deutschen ihre wenigen gut genutzt haben.
    Klar gab es Schwächen, aber wenn sie nicht auch Stärken hätten, hätten sie das nicht geschafft. Sie haben sich gegen einen starken Gegner durchgesetzt.
    Also gilt mein Respekt den deutschen Spielern, genauso wie den türkischen.
    Nur eine Sache hat mich bei den Türken gestört: als einige von ihnen nach dem Spiel interviewt wurden, merkte man an ihren Äußerungen, das sie den Sport nicht als das ansehen, was es ist, nämlich ein Spiel und ein neutraler Wettkampf. Aber die Türken sehen das wohl nicht nur als Sport, sondern vermischen genauso wie sie Religion und Politik vermischen, den Sport mit allem anderen und das halte ich für keine gute Einstellung.
    Deshalb bin ich froh, dass sie verloren haben.
    AZ

  4. 4 nolookpass 26. Juni 2008 um 11:40 Uhr

    @kittyluka: Ich habe den Flitzer vergessen. Das war vermutlich eins der wenigen Vorteile des Wiener Stromausfalls: Dass das Schweizer Fernsehen den Flitzer zeigte. Beim Weltbild hätte es das wohl nicht gegeben.

    @AZ: Ich sehe diesen Sport auch nicht nur als Spiel an, sondern vermische ihn aufs intensivste mit Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Kultur und Konsum mit Genussmitteln. Und gibt es überhaupt neutrale Wettkämpfe?

    @alle: Wer hat eigentlich Wienale erfunden?

  5. 5 Indy 26. Juni 2008 um 12:06 Uhr

    sagen wir mal so: mich hat das Spiel Nerven ohne Ende gekostet….
    und unter Leistung haben fast alle gespielt/organisiert:
    so fängt es bei der Taktik an, wie selbst Jogi nach dem Abpfiff zugesteht (hat wohl mein „da brauchste einen zweiten Stürmer – doppelsechs auflösen und schön Raute im Mittelfeld mit zwei Sturmspitzen“ gehört – Jogi, musst mir nicht alles nachplappern ;o) ), geht weiter über die Einstellung (wie immer im defensiven Bereich standen wir zu weit weg von den Gegenspielern) und dann über die teilweise erschreckenden Einzelleistungen (Lahm war trotz Tor schwach wie selten, Lehmann sach ich nix zu undundund)

    Aber manchmal ist es wurscht, welche Fehler gemacht wurden – wichtig ist der Sieg und in 4 jahren wird das Spiel (sofern wir Europameister werden) als notwendiger Meilenstein dargestellt werden.

    Aber freuen wir uns einfach auf den Sonntag!

  6. 6 Spielmacher 26. Juni 2008 um 12:45 Uhr

    Das ist schon seltsam: Da kommt „meine“ Mannschaft, der ich sogar (mehr oder weniger) ein ganzes Blog widme, ins Finale der EM und ich kann mich kaum darüber freuen. Hätte ich weniger Ahnung von diesem Ding namens Fußball, wäre es gestern ein toller Abend gewesen: Rückstand, Ausgleich, Führung, später Ausgleich, noch späterer Siegtreffer. Ein perfekter Abend für Leute, die Fußball-Parties feiern wollen.

    Ich saß aber teilweise fassungslos vor dem Fernseher. Die Mannschaft aus den sehr guten Portugalspiel verfiel wieder in den gleichen Trott des Kroatien-Spiels, nur mit dem Unterschied, dass die Türken das nicht ausnutzen konnten und keine brauchbare Hintermannschaft haben. Den letzten Rest haben mir dann die Bild- und Tonausfälle gegeben. Da war bei mir dann komplett der Faden gerissen und ausser Freude bei den deutschen Toren ging gar nichts mehr. Auch den jubelnen Leuten auf den Straßen konnte ich nur beim Feiern zugucken.

    Manchmal wünschte ich, dass ich kritikloser und eventmäßiger Fußball gucken könnte.

  7. 7 Olaf 26. Juni 2008 um 14:19 Uhr

    Die teilweise absoult unklaren Abspiele im Mittelfeld haben uns auch kollektiv die Nerven geraubt. Als dann das Bild komplett weg war, war’s auch bei uns aus. Alles glotzte auf die Leinwand und verstand nicht, was los ist.

    Ich habe gerade noch gesehen, das Lahm „Man of the match“ geworden ist. Eine bedenkenswerte Wahl. Kazim hätte es eher verdient gehabt oder Altintop, aber meiner Meinung nach kein Deutscher.

  8. 8 Hirngabel 26. Juni 2008 um 17:59 Uhr

    Ich versteh es nicht.

    Ich verstehe nicht, wieso die deutsche Mannschaft nach dem tollen Spiel gegen Portugal wieder phasenweise ohne Pressing/Forechecking gespielt hat und wie man teilweise völlig verunsichert im Aufbauspiel war.

    Ich verstehe aber auch nicht, weshalb man sich hier und auch woanders als „Event-Fan“ bezeichnen lassen soll, nur weil man sich über den Sieg freut. Wie bei AAS jemand meinte: „Fußball ist nicht immer ein 5:0″.

    Und unser Halbfinale gestern war immer noch interessanter als die Mehrheit der Viertelfinalspiele ohne unsere Beteiligung. Wann gibts schließlich schon mal 5 Tore in nem Halbfinale.

    Ich hab gestern jedenfalls mit reinem Gewissen ordentlich gefeiert – und halte mich dennoch für jemanden mit Ahnung von Fußball.

  9. 9 Gordon 26. Juni 2008 um 20:19 Uhr

    Lehmann ist ein Unsicherheitsfaktor. Er wird letztlich das Finale vergeigen. Ich hätte mich geschämt auf die Hupe zu drücken.

  10. 10 Spielmacher 26. Juni 2008 um 20:42 Uhr

    @Hirngabel: Du hast das falsch verstanden. An Deinem Kommentar sehe ich, dass Du die Fehler gesehen hast und den Sieg nicht falsch bewertest. Eben nur etwas anders als ich. Und ich habe absolut nichts gegen die Leute, die es im Gegensatz zu mir gleich nach dem Abpfiff geschafft haben, sich trotz der Leistung über den Finaleinzug zu freuen.
    Mit „Eventfans“ meine ich Leute wie meine Tischnachbarn im Restaurant eben, die minutenlang geschwärmt haben, was das für „ein geiles Spiel“ gestern abend gewesen sei und wie super „der Lahm“ ist. Und was „der Lukas wieder toll gespielt“ hat. Und dass „wir es den Türken aber richtig gezeigt“ haben.
    Genau das ist nämlich alles nicht so gewesen, nur sehen das diese Intervall-Fans nicht.

  11. 11 Joachim 27. Juni 2008 um 7:39 Uhr

    schlcht gespielt, aber trotzdem gewonnen. egal weiter geht es . Das Flair von der WM fehlt mir auf alle Fälle!

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.