Die Bela-Réthy-Faktenmaschine #14

Heute: Polen

Die dem alternativen Rauchgenuss nicht Abgeneigten dürften beim erleichterten Statement von Leo Beenhakker Aber wir spielen ja [gegen Deutschland] Gott sei Dank nicht auf Papier, sondern auf Gras durchaus eine ganz eigene Duftnote abgewinnen. Ansonsten hat der Beinhacker ganz brav die bösen polnischen Medien beschimpft, als diese auch mal yellow press sein wollten und die konzerneigenen Tipps der deutschen Springerzentrale in die boulevardpublizistische Tat umgesetzt haben. Beenhakker ist Träger des Ordens für die Wiedergeburt Polens, und ich wusste gar nicht, dass das Land jüngst gestorben war.

Polen ist noch bis morgen Abend EM-Jungfrau und als solche derart verbittert, dass sie sich das Turnier in vier Jahren gleich mal aufs eigene Territorium geholt haben. Die Liga ist so gut wie kaputt, ich habe mal in Stettin zehn Brasilianer auf dem Platz gesehen, zum allgemeinen Verdruss spielten sie auch alle noch für dieselbe Mannschaft. Der Nachwuchs drängt also ins Ausland, um mit Talent und Glück in eine europäische Topliga zu flutschen und fertig ausgebildet in der Nationalmannschaft die 3. WM-Plätze von 1974 und 1982 zu wiederholen.

So wie Euzebiusz „Ebi“ Smolarek. Geboren in Polen, aufgewachsen in den Niederlanden, bei Borussia Dortmund reifte er zu Polens Fußballer des Jahres, den Titel hat er nun schon zum dritten Mal gewonnen. Kicken tut er mittlerweile in Spanien, immerhin dürfte er sich dort gut mit den Kellnern in so manchen Küsten-Restaurants verstehen. Bei der WM 06 blieb Smolarek ohne Tor, was vor allem auf die miserable polnische Mannschaft und Per Mertesacker zurückzuführen war.

Seit 30 Jahren hat Polen nicht mehr gegen Deutschland nicht verloren. Klappt es diesmal wieder nicht, werden sich die Bundesliga-Legionäre Krzynowek (Wolfsburg) und der verletzte Dortmunder Blaczykowski wohl mal Rat auf Schalke holen, wie mit so einer Dekadennegativserie umzugehen sei. Das bemerkenswerteste Qualifikationsspiel war gleich das erste, das 1:3 gegen Finnland war (bis auf eine Auswärtsausnahme in Armenien) die einzige Niederlage – und das in einer Gruppe mit Portugal, Finnland, Serbien und Belgien. Polen hat dennoch ähnlich geringe Chancen auf den Titel wie Österreich, nur die Wettquote ist im Vergleich ein wenig größer.

foto_dorocia


2 Antworten auf “Die Bela-Réthy-Faktenmaschine #14”


  1. 1 Trainer Baade 07. Juni 2008 um 17:01 Uhr

    Ist das jetzt wieder von mir nicht als solche erkannte nolookpass’sche Ironie?

    Seit 30 Jahren hat Polen nicht mehr gegen Deutschland nicht verloren.

  2. 2 nolookpass 08. Juni 2008 um 10:27 Uhr

    Wo ist das Problem? Im Übrigen betrachte ich Unentschieden gegen Deutschland als klare Niederlage für die gegnerische Mannschaft.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.