Die Bela-Réthy-Faktenmaschine #13

Heute: Österreich


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Haben die Experten einem Fußballgroßturniergastgeber jemals weniger zugetraut? Haben diese Einschätzungen jemals eine Fußballnation weniger in ihren Grundfesten erschüttert als zurzeit Österreich? Hat irgendjemand irgendwo öffentlich zugegeben, eine mehr als zweistellige Summe auf einen Titelgewinner in rotweißrot gesetzt zu haben? Hat eigentlich irgendwer mal öfter Cordoba buchstabiert als die österreichischen Medien in den letzten zwei Jahren?

Im Prinzip: Nein.

Die Wuchterl-Passion zerschellt zwischen Salzburg und Wien immer öfter an der merkwürdigen Struktur und vor allem Nicht-Struktur der heimischen Jambaklingeltonneunlive-Bundesliga, der Spielklasse mit den sponsorigsten Vereinsnamen und untraditionellsten Team-Historien. Da wird munter neu gegründet, umbenannt, fusioniert und eingekauft, dass es nur so kracht und Fluktuation noch eine harmlose Beschreibung ist. Und auf derart unruhigem Boden gedeiht nun mal kein leistungsfähiges Nationalmannschaftspflänzchen.

Gärtner Josef Hickersberger verhalf 1990 mit seiner Auswahl den Färöer-Inseln zur Basis ihres nationalen Selbstverständnisses. Im Gegensatz zu seinem Schweizer Pendant wird Hicke größtenteils nicht so gern gehabt, was auch an seiner übervorsichtigen Taktik und der, nun ja, phantasievollen Kaderpolitik liegen könnte. Jüngst driftete die von ihm ausgeklügelte Austria-Spielweise teils ins Rebellisch-Offensive, was auf unterhaltsame 4:7- und 6:8-Niederlagen gegen Deutschland und Kroatien hoffen lässt.

Kapitän Andreas Ivanschitz begann seine Laufbahn bei Rapid Wien, wo er mit 16 als jüngster Spieler der Klubgeschichte sein Debüt feierte. Aktuell spielt der Andi bei Panathinaikos Athen, er ziert das Cover der österreichischen Ausgabe des Fifa-08-Konsolendaddelspiels und steuert seinen Part zum Lagerfeuergitarren-Hiphop-Dancefloorfiller Aus Liebe zum Spiel bei. An die Meriten des größten Austria-Kickers ever wird er jedoch nicht herankommen: Toni „Doppelpack“ Polster hat mal gegen die DDR drei Tore geschossen, in Köln und Gladbach gespielt und trotzdem seinen Humor nicht verloren. Eines wird er aber nicht verhindern können:

Ich will kein Denkmal sein, darauf scheißen nur die Tauben.