Die Bela-Réthy-Faktenmaschine #11

Heute: Kroatien


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Du liebe Güte, da haben sie England mal auf der Insel besiegt und einen entspannten Trainer an der Seitenlinie, und schon werden sie frech, die Kroaten. Kaum ein Tag vergeht, an dem keine Spitze gegen einen oder gleich mal alle Gruppengegner Kroatiens zu vernehmen ist. Das erinnert an bellende Hunde und das Pfeifen im Wald, die Auftaktpartie gegen hochmotivierte Gastgeber, auch wenn sie aus Österreich kommen, dürfte beileibe kein Spaziergang für die Herren mit den Schachbrettern auffem Trikot werden.

Als Hoffnungsträger gilt Rocknrollsuperslaven Bilic, der bei der EM 96 noch mit zehn anderen tretenden und spuckenden Krawatten gegen Deutschland ausgeschieden war und auch in seiner Zeit beim Karlsruher SC nicht als Kind großer Traurigkeit galt. Trainer Bilic setzt auf junge Spieler, er scheut die Offensive nicht und ist schon froh, wenn am Ende ein Tor mehr auf dem eigenen Konto steht und die Bedeckung seines Juristenkopfes nicht allzu konservativ ausfällt.

In dieser Hinsicht eher ungünstig ist der Ausfall des gerade in der Qualifikation äußerst effektiven Stürmers Eduardo, dem im harten englischen Winter sein Bein halb durchgetreten wurde. Ohne Eduardo sind es auch nur noch sechs Nationalspieler, deren Nachname nicht auf -c endet. Die kroatische Volksseele baumelt vor allem an den Dribbelkünsten Luka Modric‘, über den ich jüngst den niedlichen Agentursatz gelesen habe:

Privat gilt Modric als bescheiden und korrekt, Starallüren sind ihm fremd.

Krass korrekt, der Mann.

Abgesehen von der EM 2000 sind die Kroaten Stammgast im Nationenfußball, abgesehen vom WM-Platz 3 vor einer Dekade in Frankreich sind die Erfolge überschaubar. Fakt ist jedoch, dass Kroatien regelmäßig die besten Balkan-Ballspieler stellt. Bemerkenswertestes Qualifikationsspiel ist die lustlose 0:2-Niederlage gegen Mazedonien, die deutlich zeigt, wie klar das kroatische Team die Quali-Gruppe schon in der vorletzten Spielrunde angeführt hat. Und sollte Kroatien Europameister werden, ist das dann durchaus wörtlich zu nehmen: Nur zwei Auswahlspieler kicken in Kroatien, 21 legionärisieren von Russland nach Italien quer durch den Kontinent.


1 Antwort auf “Die Bela-Réthy-Faktenmaschine #11”


  1. 1 Das Blog zur EM: Was bisher geschah | EURO 2008 Pingback am 06. Juni 2008 um 16:21 Uhr
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