Die Bela-Réthy-Faktenmaschine #9

Heute: Schweiz


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Die Loser-Schweiz vom Testspiel gegen Deutschland sollte der geneigte Vorfreudige noch fix in den Skat drücken, bevor der hälftige Gastgeber am Sonnabend Tschechien den Slogan No country for old men an den Spielbericht tackert. Wenn die Heimfans mal hin und wieder ihr Lethargie-Klischee nicht bestätigen würden, so mal ein Arm heben oder halt mal was sagen; dann passt das schon mit dem mittigsten aller Europa-Länder und der EM.

Gegen Gruppengegner Tschechien und die Türkei ist der Schweiz vor ihrem Ausscheiden also durchaus Furoröses zuzutrauen. Glaubt man gar der Statistik, die da besagt, dass sich in den vergangenen 20 Jahren neun von 12 Ausrichtern einer EM oder WM zumindest für die Runde der letzten Vier qualifiziert haben, dann kann die DFB-Elf jetzt schon mal anfangen zu zittern. Glaubt man der Statistik nicht, kann aber wenigstens der Vermutung nachgegangen werden, dass das Elfmeterdebakel Nullsechs vor heimischem Publikum vergessen gemacht wird.

Nichts sehnlicher als das wünscht sich vor allem Hitzfeld-Vorgänger Jakob Kuhn, was im übrigen ein Künstlername ist, der Mann heißt eigentlich Köbi Schweiz. Früher selbst nicht unerfolgreich am Ball, setzte er nach dem Millenium vor allem auf eine elegante Melange erfahrener und junger Schweizr Kickr. Sein Standing bei den Landsleuten dürfte größtenteils dem seines Komiker-Landsmannes Emil Steinberger bei ARD-Stammsehern über 50 entsprechen.

Vier der fünf Endrundentreffer für die Schweiz erzielt Alexander Frei. Wie Ballack fiel Frei mehrere Monate verletzt aus, um am Winterende Anlauf zu nehmen und jetzt der EM gehörig in den Arsch zu treten. In 57 Länderspielen traf Frei bislang 32 mal, nach zwei Buden hat er den Schweizer Rekord geknackt. Nach dem Viertelfinale gegen Deutschland verwüsten Schalke- und BVB-Fans das Ruhrgebiet, nachdem Heiko Westermann mit einem rüden Tackling Frei ins Lazarett zurücktritt.

Der größte Erfolg der Schweizer Nationalmannschaft ist im allerbesten Rentenalter, er datiert auf die Olympischen Spiele 1924, wo es silberne Medaillen gab. Das bemerkenswerteste Qualifikationsspiel war jener vielbeschriebene Auswärtssieg gegen die Türkei vor zweieinhalb Jahren, das im Vorfeld des 11. Juni wieder derart hochgejazzt werden wird, dass sich über spätere tatsächliche Tumulte niemand mehr wundern muss. Und da im November 2005 ja lediglich die Spieler und Betreuer aufeinander losgingen, wäre eine Mitverantwortung der geistigen Brandschatzer im Falle einer Fankolllision sogar noch etwas höher einzustufen als sonst immer schon.


1 Antwort auf “Die Bela-Réthy-Faktenmaschine #9”


  1. 1 Euromanie // Nachspiel Pingback am 11. Juni 2008 um 12:42 Uhr
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