Die Bela-Réthy-Faktenmaschine #8

Heute: Tschechien


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Braucht ohne Tomas Rosicky eigentlich gar nicht anzutreten, sollte den Startplatz lieber den fastfoodmampfenden Engländern überschreiben, die dann Europameister werden. Stattdessen könnte sich die restliche tschechische Nationalmannschaft endlich dazu durchringen, seinen Mitgliedern Blazek, Galasek und Koller zu folgen und mit dem 1. FC Nürnberg wieder in die Bundesliga aufzusteigen. Tschechien könnte sich schließlich generell aus dem Fußballsport zurückziehen und mit dem Sportlermaterial etliche erfolgreiche böhmische NHL-Franchises gründen.

Heimlicher Star der Mannschaft ist Torwart Petr Cech, was vor allem daran liegt, dass ihn oberflächliche Fußballkucker so prima an seiner Plastikmütze erkennen können. Nach einem schweren Schädelbasisbruch spielt der Pilsener jetzt immer oben mit, was zu der lustigen Erkenntnis führt, dass er neben Udo Lindenberg und Jamiroquai der einzige Prominente sein dürfte, der für inkognito einfach nur den Hut abnehmen muss. Außerdem ist Cech groß, Linkshänder und aktueller Champions-League-Vizemeister.

Der Trainer heißt wie jeder ordentliche Tschechenmann mit Vorname Karel und schleppt den Karl May zu verdankenen Spitznamen Klekipetra sowie ein grimmig dreinschauender, schweigender Taktikfuchs-Image mit sich herum. Nach der EM wird Karel Brückner alles fallen lassen und Angeln gehen oder golfen. Wenn er dann nach drei Dunkelbier mit lockerer Zunge in Erinnerungen schwelgt, wird er jahrhundertalte altböhmische Flüche über jenes griechische Kopfballungeheuer ausstoßen, der seinem Zaubermausteam vor vier Jahren den verdienten Einzug ins EM-Finale zerstörte.

Das bemerkenswerteste Spiel in der Qualifikation glückte Tschechien vor einem halben Jahr in München gegen Deutschland, als Jan Koller zwei Assistpunkte sammelte und sein Team nach 23 Minuten mit 2:0 in Führung lag. Nach der Halbzeitpause machte Arne Friedrich nichts für ihn Unübliches: Er ließ sich austricksen – 0:3. Die Nation war wieder ein wenig geerdet, in einem knappen Monat, in Wien, werden wir unseren Nachbarn dankbar dafür sein.