Die Bela-Réthy-Faktenmaschine #4

Heute: Türkei


foto_steelight

Unsere Fußball-Brüder und -Schwestern vom Bosporus entwickeln sich zunehmend zu einer konstanten Größe im internationalen Fußball. In der Quali zur WM nullsechs nur an den rabiaten Schweizern gescheitert, gingen die Türken nun einen Schritt weiter und verwiesen Norwegen in der EM-Qualifikation mit gerade mal einem Tor Unterschied in die Sommerpause. Höhepunkt war demnach auch die Partie gegen Norge, aber nicht wegen des 2:2, sondern weil es das einzige Mal war, dass die Türkei (sonst noch gegen Ungarn, Malta, Griechenland, Bosnien-Herzegowina) aus Südosteuropa rauskamen.

Die türkische Nationalmannschaft hat sich den hübschen Namen „Milliler“ gegeben und gilt wie auch dicke Dribbler aus Argentinien oder dünne GNT-Kandidatinnen als launisch. Anders als Italien oder die Niederlande hat die Türkei ein Torwartproblem, das am besten zu beweisen ist, in einer ostdeutschen Fußgängerzone mal nach türkischen Torhütern zu fragen. Maximal ein schüchtern gehauchtes „Volkan Demirel vielleicht?“ bekommt man dann zu hören, und ja, der hielt jüngst mal drei Elfmeter in einem Spiel, ist im Lexikon allerdings auch durch solchen Satz charakterisiert:

Nach einem 1:0-Sieg über den Erzrivalen Galatasaray Istanbul wollte er sein Trikot in die jubelnden Fenerbahçe-Fans werfen und verletzte sich dabei.

Trainer Fatih Terim – Russell Crowe hat ihm mal den Spitznamen „Imperator“ verpasst – taucht jeden Trainingslagerabend mit einem frisch aufgebrühten Salbeitee und einer Merci-Schachtel im Zimmer von Stürmer Nihat Kahveci auf, der seit einem Kreuzbandriss mit der Sehne eines Toten kickt und in den letzten Qualispielen jeweils den Siegtreffer schoss, womit er Terim vor einem laaaangen Urlaub in Antalya bewahrte. Dort saufen sich derzeit Yildiray Bastürk und Halil Altintop die Birne zu, beide sind aus dem Kader gevotet worden und mussten die Neckereien von Hamit Altintop ertragen, der trotz Mittelfußbruch und falscher Vereinszugehörigkeit mit in die Alpen darf.

Mit etwas erhöhtem Blutdruck dürfte die Türkei in die Auftaktpartie am 7. Juni gegen Portugal gehen. Die Welt schrieb das Jahr 1996, und bei der Europameisterschaft in der ehemaligen Fußballhochburg England obsiegte Portugal mit 1:0 über bis dato auf diesem Parkett total unerfahrene Türken, die ausgeschieden den portugiesischen Durchmarsch bis ins Viertelfinale beobachteten. Vier Jahre später verlor die Türkei im Viertelfinale gegen Nuno Gomes (0:2), erneut flogen die Portugiesen eine Runde später aus dem Turnier. Setzt es am übernächsten Sonnabend die nächste türkische Pleite, steht dann immerhin schon mal fest, das Portugal nicht Europameister wird.