Das schwierige zweite Album

Ein Gastbeitrag von Robert (http://liga.parkdrei.de)

Die vielversprechende Newcomerband „deutschenationalmannschaft“ gründete sich 2004. Das traditionsreiche Label bewies einen guten Riecher und verpflichtete einen unverbrauchten Produzenten und Tonassistenten. Eine Wohltat nach der tiefen kreativen Krise. Gerade beim Festival in Portugal wurde offensichtlich, dass die GunsnRoses Gitarrenriffs vielleicht 1996 für Verzückung bei den Massen sorgten, 2004 aber nur noch für die Nebenbühne beim Oktoberfest reichten.

Mit dem fürs Popgeschäft notwendigen Größenwahn begannen die Rick Rubins des Schwabenlandes mit der Arbeit am ersten Album. Mehr Leidenschaft wollte man von den Bandmitgliedern, mehr Spielfreude am Instrument. Es war schwierig, den Musikern die fest-verankerte Pur-Mentalität auszutreiben, doch nach diversen Höhen und Tiefen überzeugte das im Sommer 2006 vorgelegte Album. Jugendlich, unverbraucht und absolut zeitgemäß klang das Ergebnis. Moderne Beats, eine beeindruckende und zurecht preisgekrönte Performance am Mikrofon sowie eine unschlagbare Livedarbietung machten gerade die Konzerte zu einem Spektakel für die Massen. Das ist soweit bekannt und kann im vom Roadie mit wackliger Handkamera und miesem Ton gedrehtem Tourtagebuch noch einmal angeschaut werden. Für Platz 1 in den Charts hat es nicht gereicht, die alten Helden des Geschäftes waren noch ein Stückchen erfolgreicher, aber hey, die Smiths hatten auch nie eine Nummer 1 Single.

Nach dem Spektakel verabschiedete sich der Mastermind dann nach Hollywood, der bisherige Assistent übernahm den Laden. Heiß erwartet wird nun die zweite Platte, die jetzt im Sommer 2008 in den Läden stehen soll. Aus den Studios hört man Vielversprechendes. Der beförderte Produzent füllt die neue Rolle auch optisch hervorragend aus, allgemein ist die Vorfreude riesengroß. Trotzdem ist es ungewiss, wie letztendlich das Album wird. „deutschenationalmannschaft“ leidet wie viele kometenhaft aufgestiegenen Bands unter den üblichen Problemen. Zu lange auf Tour, keine Inspirationen für tolle Songs, Selbstzufriedenheit und ein gewisser Schlendrian, der Druck des erfolgreichen ersten Albums. Natürlich wünschen wir uns einen neuen Meilenstein, aber ernste Zweifel sind mittlerweile angebracht, ob die Qualität und der Erfolg des ersten Tonträgers auch nur annähernd gehalten werden kann.

Gerade die Rhythmusgruppe macht Probleme. Teile erscheinen nicht mehr bei den wöchentlichen Proben, manche, weil es ohne sie einfach besser läuft, andere weil sie aufgrund psychosomatischer Krankheiten immer nur in geraden Jahren im Sommer schmerzfrei konzertieren können. Der baumlange Bassist wirkt in letzter Zeit desöfteren von der Rolle, in einer der letzten Proben, fiel er kurz vor Schluss einfach um und riss einen der begabteren jungen Sänger mit zu Boden. Der Rhythmusgitarrist, der immer an der linken Bühnenkante steht, bietet auch seit 2 Jahren die selben Riffs an. Weil er einmal „ein richtisch gutes Gefühl dabei hatte“.

Die Herren, die vor zwei Jahren noch ungeahnte Töne aus den Verstärkern zauberten, wirken mittlerweile wie eine Karrikatur ihrer selbst. Das harte Leben als Rockstar fordert ihren Tribut. Man hofft jetzt, dass die Sänger die Platte retten. Aber woher soll auch die Inspiration kommen, immer auf Tour, jeden Abend der selbe Trott und die Presse seziert gnadenlos jede falsche Note. Tja, so ist das im Popland Germany und im heutigen schnelllebigen Musikgeschäft. Wenn man einmal zum Retter der Branche hochgeschrieben wurde, werden von jedem Album neue kreative Wunderdinge erwartet.

Und so gibt es für das neue Werk von „deutschenationalmannschaft“ genau vier Möglichkeiten. Entweder es steht ein kreatives Wunderwerk in den Regalen, dass allerdings kommerziell total floppt. Oder die Kapelle versucht mit einer handwerklich grundsoliden Produktion die momentanen Schwächen in der Besetzung zu kompensieren und wird damit die Spitze der Charts erreichen. (Die Puristen unter den Fans werden sich dann angewidert abwenden und darauf verweisen, dass die erste Platte viel besser war und dass das jetzt alles verabscheuenswürdiger Mainstream sei.) Noch schlimmer wäre es allerdings, wenn die „Nummer-Sicher-Produktion“ auch noch kommerziell hinter den Erwartungen zurückbleiben würden.

Oder es gelingt ein „Ok Computer“, aber das geschieht in dieser Musikrichtung eher selten. Letztmalig meines Wissens 1988. Wir warten gespannt.


1 Antwort auf “Das schwierige zweite Album”


  1. 1 Ehrenschulden // Nachspiel Pingback am 13. April 2008 um 0:41 Uhr
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