Archiv für April 2008

Bernd Schneider nicht zur EM

Der Leverkusener Bernd Schneider wird aufgrund einer dringenden Operation an der Halswirbelsäule nicht bei der Europameisterschaft dabei sein. Die Operation sei laut dpa nötig, da Schneider einen Bandscheibenvorfall erlitten hätte, der sofort von Dr. Müller-Wohlfahrt behandelt werden muss. Joachim Löw erfuhr gestern vom Ausfall Schneiders und kann somit nicht auf das erfolgreiche WM-Mittelfeld um Ballack, Frings, Schweinsteiger und Schneider zurückgreifen. Durch den frei werdenden Platz im Kader können sich Tim Borowski, Pjotr Trochowski, Roberto Hilbert und Jermaine Jones – alles bisher Wackelkandidaten – gesteigerte Hoffungen auf eine Einladung machen.

Schneider kann frühestens Mitte Juli wieder ins Training einsteigen und hofft, zur neuen Saison wieder fit zu werden. Ob der 34-Jährige aber nach der EM seine Länderspielbilanz von bisher 81 Einsätzen erhöhen kann, ist (zumindest für mich) fraglich.

[via]

Rock N Roll Superslaven

Slaven Bilic, Gitarrist der Band Rawbau und im Nebenjob Kroatischer Nationaltrainer, hat etwas cleveres getan. Um zu verhindern, dass ihm so etwas passiert, hat er sich dazu entschieden, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und kurzerhand den kroatischen EM-Song selbst komponiert. Das Lied heißt „Der Pure Wahnsinn“ – also natürlich auf Kroatisch und nicht Deutsch – und wird im Mai der Öffentlichkeit vorgestellt.

So ungefähr könnte das Lied klingen:

[Quelle, via Trainer Baade per icq]

Energie Cottbus nominiert Kuranyi

Kevin Kuranyi - Symbolfoto Zwei Tage, nachdem Kevin Kuranyi einen mit vier Toren gespickten Blumenstrauß voller Abschiedsgrüße an den kurz zuvor entlassenen Mirko Slomka geschickt hat, erhielt er heute die Gewissheit, dass er als einer von fünf Stürmern bei der Europameisterschaft dabei ist. Joachim Löw sagte in einem Interview mit dem Kölner Express: „Kevin wird – wenn nichts mehr dazwischenkommt – bei der EM dabei sein“.

Mit Miroslav Klose, Mario Gomez, Lukas Podolski und Kevin Kuranyi stehen somit vier der fünf Stürmer fest. Laut Löw ist „der fünfte Stürmer […] offen. Es wird sehr wahrscheinlich entweder Mike Hanke, Patrick Helmes, Stefan Kießling oder Oliver Neuville sein“. Damit sollten Spieler wie Gerald Asamoah, Jan Schlaudraff oder David Odonkor aus dem Rennen sein, da für sie auch im Mittelfeld aufgrund der hohen Leistungsdichte kein Platz mehr frei zu sein scheint.

Kuranyi schickte nach dem Bekanntwerden der Aussagen von Joachim Löw umgehend eine SMS an die Cottbuser Hintermannschaft: „Vielen Dank, dass Ihr mir so toll unterstützt habt. Ohne Eure Hilfe hätte ich die Tore nicht machen können.“

Der Organisationsstab des DFB buchte vor wenigen Stunden für Kuranyis persönlichen Barthaarfriseur ein weiteres Zimmer im Deutschen Quartier.

[via, Foto: flickr]

„Curb His Behaviour“

Die 12 Schiedsrichter der EURO 08, unter ihnen der Deutsche Herbert Fandel, halten zur Stunde ein Schiedsrichtercamp in Regensdorf / Schweiz ab, wo sie von Vertretern der UEFA instruiert und geschult werden. Für bestimmte Spielsituationen soll es bei der EURO 08 festgelegte Handlungs- und Sanktionsanweisungen geben, um innerhalb des Spiels mehr Respekt zwischen den Akteuren herzustellen.

So können „spontane Frustreaktionen“ zwar akzeptiert werden, jedoch ziehen protestierende Gesten und Wortmeldungen rigorose Sanktionen nach sich. Die Schiedsrichter sollen speziell das Schubsen und Zerren vor Standardsituationen, Schwalben und die sogenannte Rudelbildung durch Strafen bekämpfen. Der illegale Einsatz von Ellenbogen und Armen soll konsequent mit Rot bestraft werden.

Auch die Trainer dürfen sich Reklamieren und Diskutieren mit den Offiziellen nicht erlauben. Die BBC zitiert die UEFA dazu mit dem schönen Satz: „If a coach openly criticises the referee, action will be taken to curb his behaviour“.

[via]

Das schwierige zweite Album

Ein Gastbeitrag von Robert (http://liga.parkdrei.de)

Die vielversprechende Newcomerband „deutschenationalmannschaft“ gründete sich 2004. Das traditionsreiche Label bewies einen guten Riecher und verpflichtete einen unverbrauchten Produzenten und Tonassistenten. Eine Wohltat nach der tiefen kreativen Krise. Gerade beim Festival in Portugal wurde offensichtlich, dass die GunsnRoses Gitarrenriffs vielleicht 1996 für Verzückung bei den Massen sorgten, 2004 aber nur noch für die Nebenbühne beim Oktoberfest reichten.

Mit dem fürs Popgeschäft notwendigen Größenwahn begannen die Rick Rubins des Schwabenlandes mit der Arbeit am ersten Album. Mehr Leidenschaft wollte man von den Bandmitgliedern, mehr Spielfreude am Instrument. Es war schwierig, den Musikern die fest-verankerte Pur-Mentalität auszutreiben, doch nach diversen Höhen und Tiefen überzeugte das im Sommer 2006 vorgelegte Album. Jugendlich, unverbraucht und absolut zeitgemäß klang das Ergebnis. Moderne Beats, eine beeindruckende und zurecht preisgekrönte Performance am Mikrofon sowie eine unschlagbare Livedarbietung machten gerade die Konzerte zu einem Spektakel für die Massen. Das ist soweit bekannt und kann im vom Roadie mit wackliger Handkamera und miesem Ton gedrehtem Tourtagebuch noch einmal angeschaut werden. Für Platz 1 in den Charts hat es nicht gereicht, die alten Helden des Geschäftes waren noch ein Stückchen erfolgreicher, aber hey, die Smiths hatten auch nie eine Nummer 1 Single.

Nach dem Spektakel verabschiedete sich der Mastermind dann nach Hollywood, der bisherige Assistent übernahm den Laden. Heiß erwartet wird nun die zweite Platte, die jetzt im Sommer 2008 in den Läden stehen soll. Aus den Studios hört man Vielversprechendes. Der beförderte Produzent füllt die neue Rolle auch optisch hervorragend aus, allgemein ist die Vorfreude riesengroß. Trotzdem ist es ungewiss, wie letztendlich das Album wird. „deutschenationalmannschaft“ leidet wie viele kometenhaft aufgestiegenen Bands unter den üblichen Problemen. Zu lange auf Tour, keine Inspirationen für tolle Songs, Selbstzufriedenheit und ein gewisser Schlendrian, der Druck des erfolgreichen ersten Albums. Natürlich wünschen wir uns einen neuen Meilenstein, aber ernste Zweifel sind mittlerweile angebracht, ob die Qualität und der Erfolg des ersten Tonträgers auch nur annähernd gehalten werden kann.

Gerade die Rhythmusgruppe macht Probleme. Teile erscheinen nicht mehr bei den wöchentlichen Proben, manche, weil es ohne sie einfach besser läuft, andere weil sie aufgrund psychosomatischer Krankheiten immer nur in geraden Jahren im Sommer schmerzfrei konzertieren können. Der baumlange Bassist wirkt in letzter Zeit desöfteren von der Rolle, in einer der letzten Proben, fiel er kurz vor Schluss einfach um und riss einen der begabteren jungen Sänger mit zu Boden. Der Rhythmusgitarrist, der immer an der linken Bühnenkante steht, bietet auch seit 2 Jahren die selben Riffs an. Weil er einmal „ein richtisch gutes Gefühl dabei hatte“.

Die Herren, die vor zwei Jahren noch ungeahnte Töne aus den Verstärkern zauberten, wirken mittlerweile wie eine Karrikatur ihrer selbst. Das harte Leben als Rockstar fordert ihren Tribut. Man hofft jetzt, dass die Sänger die Platte retten. Aber woher soll auch die Inspiration kommen, immer auf Tour, jeden Abend der selbe Trott und die Presse seziert gnadenlos jede falsche Note. Tja, so ist das im Popland Germany und im heutigen schnelllebigen Musikgeschäft. Wenn man einmal zum Retter der Branche hochgeschrieben wurde, werden von jedem Album neue kreative Wunderdinge erwartet.

Und so gibt es für das neue Werk von „deutschenationalmannschaft“ genau vier Möglichkeiten. Entweder es steht ein kreatives Wunderwerk in den Regalen, dass allerdings kommerziell total floppt. Oder die Kapelle versucht mit einer handwerklich grundsoliden Produktion die momentanen Schwächen in der Besetzung zu kompensieren und wird damit die Spitze der Charts erreichen. (Die Puristen unter den Fans werden sich dann angewidert abwenden und darauf verweisen, dass die erste Platte viel besser war und dass das jetzt alles verabscheuenswürdiger Mainstream sei.) Noch schlimmer wäre es allerdings, wenn die „Nummer-Sicher-Produktion“ auch noch kommerziell hinter den Erwartungen zurückbleiben würden.

Oder es gelingt ein „Ok Computer“, aber das geschieht in dieser Musikrichtung eher selten. Letztmalig meines Wissens 1988. Wir warten gespannt.