Archiv für März 2008

Emails und andere Unsportlichkeiten

Aus aktuellem Anlass müssen wir kurz das Thema wechseln.

Vor kurzem wurde unser EM-Blog von einer jungen Dame namens Sylwia angeschrieben. Wir haben uns sehr gefreut, denn Sylwia lobte uns für unsere tollen Artikel und vor allem den EM-Spielplan. Sowas geht natürlich runter wie Motoröl: eine fußballinteressierte Dame mit polnischem Namen sucht Kontakt zu ihren Lieblingsbloggern und möchte sie für ihre lesenswerte und unterhaltsame Arbeit loben. Aber wir hatten uns zu früh gefreut. Denn schon im nächsten Absatz begannen Sylwias Worte etwas fischig zu riechen – sie wechselte nämlich das Thema:

Der eigentliche Anlass warum ich dir schreibe ist, dass ich dich auf unseren Blog […] aufmerksam machen wollte.

Es hätte so schön sein können. Gerade waren wir noch dabei, Sylwia eine handgemalte Autogrammkarte zu entwerfen – und mit nur einem Satz zerstörte sie unsere schöne Illusion, endlich unseren ersten Groupie zu haben.

Emails, die Werbung für das eigene Blog machen, landen bei uns normalerweise im gleichen Ordner, in dem sich auch die netten Damen und Herren wiederfinden, die unsere Penisse vergrößern möchten. Es wurde aber noch schlimmer. Denn ein paar Zeilen später schrieb Sylwia weiter:

Mit den ‚Machern’ vom *‚*Castrol Performance Index*’ *konnten wir eine persönliche Beziehung aufbauen. […] Sie haben versprochen, dass sie uns mit exklusiven, detaillierten Statistiken über jede Spielerleistungen im Turnier versorgen können. […] Wir haben auch einiges an EM-Fanartikeln und ein paar EM Tickets bekommen, die wir in den nächsten Monaten verschenken werden.

Ein Blick ins Lexikon Werber – Deutsch / Deutsch – Werber genügte, um den ersten Satz zu entziffern:

Persönliche Beziehung (die): ein geschäftliches Verhältnis pflegen und es in der Öffentlichkeit als private Bekanntschaft deklarieren

Wir waren am Boden zerstört. Sylwia war nicht nur eine geschickte Heuchlerin, die uns mit Lob um den Finger wickeln wollte. Sie wollte uns darüberhinaus auch noch für dumm verkaufen und ihre kommerzielle Seite als privates Blog verkaufen. In Tränen aufgelöst zerrissen wir unsere Autogrammkarte und wussten nicht, ob und wie wir auf diesen plumpen Versuch, uns als Werbebotschafter von Schmierfett zu mißbrauchen, reagieren sollten.

Nur Minuten später erreichte uns dann eine weitere Mail. Sie kam von Kai Pahl. Dem Kai Pahl. Dem Master Of The Universe Sportblogging. Wir wurden nervös. Wollte er vielleicht ein Autogramm von uns? Einen signierten EM-Spielplan? Oder uns fragen, ob er bei uns mitmachen dürfe?

Nichts von alledem. Er hatte Post von Sylwia bekommen. Und er lag richtig in der Annahme, dass er nicht der einzige war.

Kai wusste aber im Gegensatz zu uns, wie man auf solch eine Email reagiert und kündigte an, Sylwia zu antworten, um ihr eine zweite Chance zu geben, ihren Auftraggeber offenzulegen. Ob sie das tat und was Castrol zu dieser Geschichte sagt, steht nun ausführlich bei Alles Außer Sport. Nachtrag nlp: Ebenso dort zu finden eine kleine Castrol-Entschuldigung.

P.S.: Wir bitten in den kommenden drei Tagen von Autogrammwünschen abzusehen, da wir über die herben Enttäuschungen der letzten Zeit noch immer nicht hinweggekommen sind.

Machen Sie es wie England

Schadenfreude, schönste Freude.

Wenn das Spaghettimonster gegen das rosa Einhorn spielt

Fußball wird immer mal wieder gerne wahlweise als Religion, Religionsersatz, religionsgleich oder religionsähnlich bezeichnet, Fußballer werden gottgleich verehrt, die Fans treffen sich in Massen zum wochenendlichen Stadiongebet, es gibt Himmel (Auf-) und Hölle (Abstieg), Sünde (Foul) und Beichtvater (Schiri), Symbol (Ball) und zeitliche Struktur (Saison), Adam (Beckenbauer) und Eva (Birgit Prinz), das Paradies (Premier League) und die Bibel (das Internet).

Weil Fußball aber auch Spaß macht, ist Fußball – eine Spaßreligion.

Die bekanntesten spaßreligiösen Figuren des deutschen und italienischen Fußballs möchte das gläubigste EM-Blog westlich der Oder-Neiße-Friedensgrenze im Folgenden vorstellen:

Das Fliegende Spaghettimonster


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Das unsichtbare rosafarbene Einhorn


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Intelligent Falling


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Russells Teekanne


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Iglesia Maradoniana


foto_missha

Unintelligent Design


foto_howieberlin

Jediismus


foto_jean-gé

Fußballmusik #9 – Wencke Myhre: Er steht im Tor

Yep, Torwartwoche beim EM-Blog. Die soll nicht vergehen, ohne in unserer mittlerweile neunteiligen Reihe Fußballmusik einen gar beschwingten Vertreter derselben hier vorzustellen. Die norwegische Bardin Wencke Myhre sang 1966 den Song zur Ski-WM, um nur drei Jahre darauf einen Klassiker der ballaffinen Singkunst zu interpretieren.

Weil Ende der 60er Videoproduzenten noch nicht geboren waren und MTV noch im Teiche der ungedachten Ideen schwamm, haben wir prompt eine possierliche junge Dame gebeten, den mit einem etwas peppigen Schlagzeug unterlegten Song halbangezogen für uns zu visualisieren. Also bitte:

Croatta

Das Wort „Krawatte“ geht auf französisch „à la croate“ und französisch „cravate“ von deutsch (vor allem Österreich) „Krawåt“ einer mundartlichen Bezeichnung von „Kroate“ (kroatisch „Hrvat“) zurück. Sie wurde auch „croatta“ genannt.

Ist das Rätsel um die Testspielmode des kroatischen Trainers Slaven Bilic, der coolsten Sau von Mexiko, also auch gelöst. Überhaupt scheint er ein Faible für unorthodoxe Anziehsachen zu haben, wie man hier unschwer erkennen kann:


foto_francesjane