Die Fakten
Zwischen 18.000 und 120.750 Euro kostet während der EM-Übertragung ein halbminütiger Werbespot bei der ARD. Bei der WM Nullsechs lagen die Preise zwischen 6.600 und 320.400 Euro für einen Spot von 30 Sekunden. Die bislang teuerste Werbung im deutschen Fernsehen wurde in der Halbzeitpause des WM-Viertelfinals zwischen Deutschland und Argentinien (mit 24,74 Mi0. Zusehern exakt gleich der Quote des EM-Finales Portugal-Griechenland) ausgestrahlt. Weiß noch irgendjemand, wer sich das damals hat leisten könnenwollendürfen? Ich kann mich nur noch erinnern, in der Pause das schnellste Familienabendbrot ever absolviert zu haben.
Die Quellen
Die kommende Kontinentalmeisterschaft findet für die nichtreisenden Germanen hauptsächlich bei Aerdeh und Zettdeheff statt. Die sind öffentlich und rechtlich und daher nicht befugt, nach der Bürgersteighochklappzeitgrenze von acht Uhr abends noch Konsumempfehlungen zu geben. Da fast die Hälfte aller EM-Partien um dreiviertelneun/viertelvorneun angepfiffen wird, stürzen sich die ARDZDF-Akquisiteure eben auf die 18-Uhr-Spiele. Am Ende kommt ein Preis heraus, der auf eine Pehdeheff gequetscht wird und dann so aussieht:
Das ARD-Angebot
Das ZDF-Angebot
Das Fazit

Beide Anstalten beginnen mit „facts“, wahrscheinlich hatten die Marketingmanager Angst, dass „Fakten“ zu sehr nach „Faxen“ klingt. Wie auch immer. Wie im Spielplan ersichtlich, teilen sich die Sender alle Spiele halbwegs gerecht untereinander auf. Die ARD überträgt elf, das ZDF 13 Vorrundenspiele, darunter jeweils vier mit totaler Reklamebegleitung um 18 Uhr. Im Viertelfinale kann sich die ARD zwei von vier Spielen aussuchen, im Halbfinale das ZDF eines von zweien. Das Finale überträgt die ARD. Werbung ist hier nur möglich im Rahmen einer ausufernden Vorberichterstattung.
Bei den 18-Uhr-Spielen ist das ZDF mit 105.000 Euro für einen Halbminutenspot in der Halbzeitpause exakt so teuer wie die ARD, die jedoch für den Erst- und Letzt-Spot nochmal 15 Prozent drauflegt, was im Endeffekt einen Sekundenpreis von 4025 Euro ergibt. Da jedoch die wirklich wichtigen Spiele – letzter Vorrundenspieltag, Endrunde – nach acht stattfinden, wars das auch schon. Den Vogel schießt das ZDF am 12. Juni ab, wenn Kroatien und Deutschland einander angiften werden und der Marketingmanager mal locker eine knappe Viertelmillioneuro darniederblättern muss, um in der Halbzeit eine halbe Minute Sendeplatz zu buchen.
Außerdem erschreckend: Ab Viertelfinale beginnt die Vorberichterstattung anderthalb Stunden vor dem Anpfiff. Anderhalb Stunden! 90 ganze Minuten! Minus Nachrichten mittenmang. Die wollen gefüllt werden, und es wird Lückenfüllmaterial sein, das die Lücken füllt. Dennoch dürften die Werbeminuten längst ausgebucht sein, das Programm der Öffentlichrechtlichen im Juni ist somit – mit Ausnahme der unwichtigen Sportereignisse – bereits fest durchgeplant.
Die Alternative
Wir. Wir werben nicht (zumindest bekommen wir von den Adsenselinks nix ab), wir haben keinen Werbe- oder sonstigen Plan, wir berichten über manche Spiele, über manche vielleicht nicht, wir sind billig (vielleicht mal ein Bier oder ‚n Caipi, wenn man sich mal über den Weg läuft), wir haben garantiert keinen Günther Netzer, dafür drei Dellinge, wir haben keine zahllosen Mainzel-, sondern nur zwei Alphamännchen, keine Moni Lierhaus, sondern Kitty Luka, unsere Tagesschau heißt Jutjubschau; und was Steffen Simon zu einem Spiel so alles sagt, können wir allemal aufschreiben.
So bleibet uns denn gewogen.
1 Antwort auf “Wie ARD und ZDF bei der EM werben werden”