„Ich sehe uns aber nicht als Topfavorit.“

Matti Lieske von der Berliner Zeitung bat Joachim Löw zu einem vorweihnachtlichen Gespräch über die kommende Europameisterschaft und die Fußball-Ausbildung beim DFB.

Löw über die Favoriten:

Frankreich und Italien waren in den letzten zehn Jahren die erfolgreichsten Mannschaften Europas. Portugal wird eine gute Rolle spielen, Spanien auch. Wir gehören aber sicher zum Favoritenkreis.

Löw über das EM-Quartier:

Italien und Frankreich wollten da auch hin, aber sie kamen zu spät. Wir haben uns für die Schweiz entschieden, weil wir dort die besten Voraussetzungen vorfinden. Die Anreisezeiten sind nicht anders als von Berlin aus bei der WM, wir sind maximal eine Stunde unterwegs, von wo auch immer. Am Allerwichtigsten für uns waren die Trainingsmöglichkeiten, da gibt es vier, fünf hervorragende Plätze.

Löw über den Unterschied zur WM 2006:

Bei der WM konnte man sich ein bisschen in das Turnier einleben, sich reinspielen, diese Zeit gibt es bei einer EM nicht.

Löw über die deutsche Nachwuchs- und Trainingsarbeit im Vergleich mit anderen Nationen:

[…] ich sehe uns nicht auf der Überholspur im internationalen Fußball. Wir sind in vielen Bereichen gut, aber es gibt welche, in denen wir uns klar verbessern müssen [… z.B.] Die Ausbildung in Deutschland, auch die taktische Ausbildung. Man kann nicht erst anfangen, wenn man 25 ist. Da haben wir gegenüber manchen Nationen Defizite. […] Da gibt es elementare Dinge, bei denen man noch viel besser sein könnte. Spiel ohne Ball, präzise Pässe, Organisation, Standardsituationen.

Löw über seine Möglichkeiten, Spieler zu kontrollieren und zu verbessern:

Da machen wir Auswertungen auf der Basis von Fakten. Wie viele Fouls gibt es, wie viele Freistöße resultieren daraus, wie viele Tore? Wie sieht ein Zweikampf aus? […] Wir wissen, wie viel gelaufen wird und in welchem Tempo. Wir wissen, was international abverlangt wird.Wir sagen also dem Spieler XY: Du machst zu viele Fouls. Oder: Du läufst zu wenig in hohem Tempo.